Botschaften

Damit Pflegeverhältnisse gelingen und sich Pflegekinder gut entwickeln können, braucht es Diversität, Kontinuität, Partizipation und Vernetzung.

Diversität

Vielfältige Pflegebeziehungen und Vielfalt in der Planung und Begleitung von Pflegeverhältnissen ist die Alternative zu den polarisierenden Begriffen von Ersatz- und Ergänzungsfamilie oder Laien- und professionelle Pflegefamilie. In der Praxis gibt es eine Vielfalt von Pflegefamilienformen. Ob eine Pflegebeziehung gelingt, ist abhängig von der Indikation und der Perspektive der Platzierung. Manchmal geben Eltern ihre Kinder aus eigener Initiative zu Pflegeeltern, manchmal willigen die Eltern nach Beratungsgesprächen mit dem Sozialdienst in eine Platzierung ein, und manchmal ordnen Behörden eine Platzierung in eine Pflegefamilien an. In jedem Fall führen verschiedene Belastungen dazu, dass ein Kind zu Pflegeeltern kommt. Deshalb braucht es unterschiedliche Pflegeverhältnisse und Hilfsangebote, die auf das einzelne Kind und seine Situation abgestimmt sind. Diversität kennzeichnet die Pflegekinderhilfe und ist zukunftsweisend.

Mehr dazu im PDF-Dokument Diversität

Diversität
Vielfältige Pflegebeziehungen und Vielfalt in der Planung und Begleitung von Pflegeverhältnissen
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Kontinuität

Für eine stabile Entwicklung von Pflegekindern ist Kontinuität unverzichtbar. Die Biografien von Pflegekindern zeichnen sich jedoch oft durch Instabilität aus. Die Erfahrung zeigt, dass Beziehungsabbrüche und Ortswechsel ihre Entwicklung behindern. Deshalb müssen aus pädagogischer Sicht Beziehungsabbrüche, Ortswechsel und damit der Verlust von Kompetenzen vermieden oder zumindest legitimiert werden, wenn sie nicht zu verhindern sind. Fachleute aus der sozialen Arbeit sollten eine Praxis entwickeln, die sich an der psychischen und physischen Gesundheit der Kinder orientiert und Kontinuität für ihre Entwicklung sichert. Kinder sollten die Möglichkeit haben, Kontinuität zu erleben und wahrzunehmen. Sie brauchen Klarheit über die Perspektive der Platzierung in einer Pflegefamilie. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Biografiearbeit können Kinder helfen, Sinn und Kontinuität im eigenen Leben zu erfahren.

Die «Siegener Erklärung» hält anhand von Forschungsergebnissen Standards fest, die Kontinuität in der Biografie von Pflegekindern fördern. Mitarbeitende der Forschungsgruppe Pflegekinder der Universität Siegen haben ausführliche Interviews mit vielen ehemaligen Pflegekindern geführt und analysiert. Dabei sind sie auf viel Diskontinuität in der Biografie ihrer Interviewpartnerinnen und -partner gestossen. Die Brüche erwiesen sich als einschneidende Entwicklungshindernisse. Als Chance erwiesen sich förderliche Beziehungen an kontinuierlichen Lebensorten. Daher hat die Forschungsgruppe Pflegekinder die «Siegener Erklärung» geschaffen. Mehr dazu finden Sie unter www.uni-siegen.de und im PDF-Dokument Siegener Erklärung.

Kontinuität in der Biografie von Pflegekindern
Beziehungsabbrüche verändern das Leben von Pflegekindern
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Partizipation

Gemeinsam handeln und entscheiden schafft Sicherheit, Orientierung und Kompetenz. Pflegekinder brauchen stabile, verlässliche und berechenbare Strukturen, um sich nach einem schwierigen Start ins Leben gut entwickeln zu können. Wenn Fachleute das Einmalige jedes Falls erkennen, wenn sie zuhören, Interesse und Wertschätzung zeigen, geben sie den Kindern und ihren Familien die Möglichkeit, mitzuwirken. Das stärkt ihr Vertrauen und gibt ihnen Sicherheit.

Es gibt verschiedene Argumente, weshalb Kinder und Jugendliche bei der Hilfeplanung und in Bereichen, die sie betreffen, teilhaben sollten. Partizipation ist einerseits ein legitimer Anspruch, der in der UN-Kinderrechtskonvention,  im Zivilgesetzbuch und in der PAVO festgehalten ist. Andererseits gibt es psychologische und pädagogische Argumente, warum es wichtig ist, Kinder in Entscheidungen miteinzubeziehen. Sie können zum Beispiel nur Mitverantwortung für Entscheide übernehmen, an denen sie auch beteiligt waren. Für Kinder, die grossen Belastungen ausgesetzt sind, ist es wichtig, dass sie ihren Lebensalltag mitgestalten und persönliche Kompetenzen einsetzen können. Zu diesem Schluss kommt die Resilienzforschung. Die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können, stärkt die Widerstandskraft und trägt entscheidend bei, belastende Situationen auszuhalten und zu verarbeiten. Wenn sich Pflegekinder beteiligen und mitreden können, erfahren sie, dass sie gleichwertig sind wie alle anderen Kinder. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, sie dabei zu unterstützen. Verhandeln ist nicht nur für Erwachsene anspruchsvoll, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Pflegekinder brauchen ein Umfeld, in dem sie das lernen können. Wie Partizipation in der Praxis mit Pflegekindern konkret verlaufen könnte, haben Klaus Wolf und Daniela Reimer – Experten in der Forschung der Pflegekinderhilfe – im Artikel «Partizipation der Kinder als Qualitätskriterium der Pflegekinderhilfe» (2008) ausführlich beschrieben. Er liegt als PDF-Dokument vor. PDF-Dokument herunterladen.

Um die Kinderrechte vor allem für Kinder in ausserfamiliärer Betreuung umzusetzem, haben 2004 die drei Organisationen FICE (Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen), IFCO (Internationale Organisation für Pflegeunterbringung) und SOS-Kinderdorf das Projekt Quality4Children ins Leben gerufen. Zusammen mit Kindern und Jugendlichen in ausserfamiliärer Betreuung wurden Standards erarbeitet, um deren Entwicklung in Europa zu verbessern. Diese Standards dienen nicht nur Fachpersonen als Anregung, Information und Orientierung, sondern auch den betroffenen Kindern und ihren Herkunftsfamilien. Das Projektteam der Schweiz (FHS St. Gallen, FICE, Integras und Pflegekinder-Aktion Schweiz) hat die europäischen Qualitätsstandards auf die schweizerischen Verhältnisse übertragen und eine kinder- und jugendgerechte Broschüre geschaffen: «Deine Rechte, wenn du nicht in deiner Familie leben kannst». Die Broschüre informiert Kinder, die in Pflegefamilien oder Heimen betreut werden, über ihre Rechte, und sie möchte sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte stärken. Mehr dazu unter www.quality4children.ch

Die Rechte der Pflegekinder
20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention
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Vernetzung

Tragfähige fachliche und soziale Netze schützen Pflegekinder und ihre Familien. Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden, soziale Dienste, Amtsvormundschaften und Fachstellen müssen zusammenarbeiten, um für die Betroffenen Kontinuität und Beteiligung in der Planung zu gewährleisten. Ob eine Platzierung verhältnismässig ist oder nicht, hängt oft von der Einschätzung einer einzelnen Fachpersonen ab. Wenn nur eine Person zuständig ist, wirken sich auch mehr oder weniger bewussste Familienbilder auf den Beratungsprozess und auf Entscheidungen aus. Weil die Urteile der Fachpersonen das Leben der betroffenen Pflegekinder stark beeinflussen, braucht es mehr als eine Meinung bei der Entscheidungsfindung. Entscheide sind mit Risiken behaftet, die sorgfältig kalkuliert werden müssen. Eine ressourcenorientierte Haltung kennzeichnet sich aus, dass frühzeitig Helfer- und Netzwerkkonferenzen geplant werden. Dabei sollen sich unterschiedliche Personen, die das Kind kennen, beteiligen und mithelfen, die jeweils geeignetste Lösung für das zu platzierende oder bereits platzierte Kind zu finden.

Mehr dazu in den Netz-Artikeln (PDF-Dokumente):

Hilfeplanung: Wunsch und Wirklichkeit
Theorie und Praxis eines Planungsinstruments
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