Häufig gestellte Fragen

Hier finden Sie Antworten auf Fragen, die uns häufig gestellt werden.

  1. An wen muss ich mich wenden, wenn ich ein Pflegekind aufnehmen möchte?
  2. Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um Pflegemutter oder Pflegevater zu werden?
  3. Wie lange muss ich warten, bis ich ein Pflegekind aufnehmen kann?
  4. Erhalte ich eine finanzielle Unterstützung?
  5. Welche Formen von Pflegeverhältnissen gibt es?
  6. Welche Kinder brauchen eine Pflegefamilie?

1. An wen muss ich mich wenden, wenn ich ein Pflegekind aufnehmen möchte?

Die Betreuung eines Kindes oder Jugendlichen in einer Pflegefamilie in Wochen- und Dauerpflege ist bewilligungspflichtig (Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern, PAVO 2013).

Wenn Sie sich für diese anspruchsvolle Aufgabe interessieren, wenden Sie sich bitte an die Gemeindeverwaltung Ihres Wohnortes. Diese wird Sie an die für die Abklärung zuständige Stelle weiter verweisen (Sozialdienst, Jugendsekretariat, Jugend- und Familienberatung, etc.). Bei der Abklärung stellt die zuständige Stelle fest, ob Sie (und Ihre Familie) für die Aufnahme eines Pflegekindes geeignet sind und ob ein allfälliges Pflegeverhältnis von allen Mitgliedern der Familie oder Lebensgemeinschaft getragen ist. Wenn Sie sich generell als Pflegeeltern zur Verfügung stellen, kommen Sie in der Regel auf eine Liste der «abgeklärten Pflegeplätze». Anders ist es, wenn Sie sich um die Aufnahme eines Kindes  beworben haben, das Ihnen bereits bekannt ist. Weil die Vermittlung von Pflegeverhältnissen kommunal oder regional und in den wenigsten Fällen kantonal organisiert ist, kann es lange dauern, bis ein Kind bei Ihnen platziert wird (näheres siehe Frage 3).

Die Kindes- und Erwachsenenbehörde (KESB) kann eine Bewilligung erst erteilen, wenn eine platzierende Stelle, eine Beiständin oder die Eltern selbst Ihnen ein Kind / ihr Kind in Pflege geben wollen. In der Regel ist es dieselbe Stelle, die die Abklärung macht.

Es besteht auch die Möglichkeit, sich an Familienplatzierungsorganisiationen zu wenden, die geeignete Plätze für Kinder in Familien suchen und vermitteln. Wir können Ihnen die Adressen von solchen Organisationen in Ihrer Region angeben.

2. Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um Pflegemutter oder Pflegevater zu werden?

Grundsätzlich kann laut PAVO jeder Erwachsene eine Bewilligung zur Aufnahme von Pflegekindern beantragen. Es kommt immer darauf an, dem jeweiligen Pflegekind ein bestimmtes Umfeld zu bieten. Das heisst, die Familie muss für das Kind passen und für seine Entwicklung förderlich sein. Pflegekinder kommen oft aus sehr belasteten Familienverhältnissen, und es braucht ein Spektrum an vielfältigen Pflegebeziehungen. Für die Erteilung einer Bewilligung ist es wichtig, die aktuelle Situation und Eignung für die Aufnahme eines bestimmten Kindes abzuklären. Dabei sind viele Faktoren zu berücksichtigen, z.B. der Umgang mit belastenden Situationen, soziales Netzwerk, Bereitschaft, sich begleiten zu lassen und Hilfe anzufordern. Einheitliche Standards zur Abklärung von Pflegefamilien gibt es in der Schweiz nicht. Je nach Region sind die Abklärungen unterschiedlich geregelt und abhängig von der zuständigen Person.

Allgemeine Voraussetzungen können sein:  

  • Sie sollten Freude am Zusammenleben mit Kindern haben und in der Lage sein, für deren Belange einzutreten.
  • Sie sollten im wörtlichen und übertragenen Sinne genug Raum für ein (weiteres) Kind haben.
  • Wenn Sie in einer Partnerschaft leben, sollte diese stabil sein, am besten einige «Stürme» schon überstanden haben.
  • Alle Familienmitglieder sollten bereit sein, mit einem Kind aus einer anderen Familie leben zu wollen, dessen Verhaltensweisen und Gewohnheiten von den eigenen abweichen.
  • Sie sollten anerkennen, dass Pflegekinder Beziehungen zu ihren Eltern und ein Recht auf Umgang mit ihrer Herkunftsfamilie haben.
  • Sie sollten sich in die Situation eines Kindes einfühlen können, das befristet oder auf Dauer von seinen Eltern getrennt leben soll.
  • Sie sollten bereit sein, sich auf die Aufgabe als Pflegefamilie vorzubereiten und bei Konflikten rechtzeitig um Beratung oder Supervision nachzusuchen.
  • Sie sollten bereit sein, mit Fachpersonen, der Pflegekinder-Aufsicht und anderen Behörden zusammenzuarbeiten.
  • Ihre finanziellen Verhältnisse sollten geordnet sein (z.B. keine Überschuldung).
  • Sie (und Ihre Familie) sollten physisch und psychisch gesund und belastbar sein.

3. Wie lange muss ich warten, bis ich ein Pflegekind aufnehmen kann?

Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Das hat mehrere Gründe:

Die Trennung eines Kindes von seiner Herkunftsfamilie ist ein schwerwiegendes Ereignis für Kind und Eltern. Veranlasst die Vormundschaftsbehörde die Unterbringung in einer Pflegefamilie, so übernimmt sie gegenüber Kind und Eltern die Aufgabe, für die Förderung des Kindes zu sorgen. Sie ist deshalb verpflichtet zu prüfen, ob Pflegeeltern für die Aufgabe geeignet sind. Die Fachleute der zuständigen Stelle (Sozialdienst der Gemeinde oder der Region) müssen sich deshalb ein umfassendes Bild von der Familiensituation machen. Oft braucht es dafür einen längeren Prozess. 

Nach dessen Abschluss muss der Sozialdienst einschätzen können, ob Sie generell für die Aufgabe als Pflegeeltern oder Pflegefamilie infrage kommen. Mit Ihrer Hilfe finden die Fachleute heraus, welche besonderen Fähigkeiten und Erfahrungen Sie für die Erziehung von Pflegekindern mitbringen. Manche Pflegefamilien können besonders gut jüngere Pflegekinder betreuen, andere sind für ältere geeignet; die einen wollen Kinder auf Dauer in ihre Familie integrieren, andere wollen Kinder zeitlich befristet aufnehmen, bis diese wieder mit ihren Eltern zusammenleben können. Eine solche Vielfalt an Pflegefamilien ist wertvoll, da Pflegekinder aus unterschiedlichsten Situationen und Familien kommen. Der Sozialdienst hat bei der Platzierung eines Kindes die Verantwortung, diejenige Pflegefamilie auszuwählen, die besonders gut in der Lage ist, diesem bestimmten Kind zu helfen.

Oft dauert es einige Zeit, bis ein bestimmtes Kind Ihre Hilfe und die Ihrer Familie braucht. Manchmal kann es auch ganz schnell gehen. Es ist für die zuständigen Stellen sehr wichtig, genügend abgeklärte Pflegeplätze zur Verfügung zu haben. Nur so können sie das Recht des Kindes auf einen Pflegeplatz, der ihm und seinen Bedürfnissen entspricht, einhalten.

Eine andere Möglichkeit, Pflegeeltern zu werden, kann sich aus einer Notsituation im sozialen oder verwandtschaftlichen Umfeld ergeben. Ein grosser Teil von Pflegeverhältnissen entsteht im Umfeld von Verwandten, Freunden oder Nachbarn, wenn Eltern nicht mehr in der Lage sind, für ihre Kinder zu sorgen. Auch diese Pflegeverhältnisse brauchen eine Bewilligung, unabhängig davon, dass das Kind schon seinen Lebensmittelpunkt in der neuen Familie hat. Bestehende Bindungen müssen dabei auf jeden Fall berücksichtigt werden.

4. Erhalte ich eine finanzielle Unterstützung?

Ja, laut PAVO haben Sie Anrecht auf eine finanzielle Entschädigung. Diese ist meistens in kantonalen Richtlinien geregelt und setzt sich aus den effektiven Kosten (Wohnen, Ernährung, Kleidung, Gesundheit, Bildung) und einer Entschädigung für Ihre Erziehungsarbeit zusammen. Letztere kann entfallen, wenn Sie als Pflegeeltern zugleich die Grosseltern oder Verwandten zweiten Grades des Pflegekindes sind.

Meistens sind die Ansätze nach dem Alter des Pflegekindes abgestuft. Erkundigen Sie sich bei den zuständigen Stellen über die Höhe des Pflegegeldes in Ihrer Region und wie viel Sie davon allenfalls der Gemeinde für AHV/IV und für Steuern wieder abliefern müssen. Für die Betreuung von Pflegekindern erhalten Sie von der AHV keine Erziehungsgutschrift.

Wenn man die Pflegegeld-Ansätze anschaut und sie mit den effektiven Kinderkosten vergleicht, haben die Pflegeeltern selbst in den Kantonen mit hohen Ansätzen nicht einmal eine Entschädigung für ihre Erziehungsarbeit. «Etwas dazu verdienen» kann man mit Pflegekindern also nicht. Als Entschädigung für die Erziehungsarbeit bleibt deshalb nur die Wertschätzung der Arbeit, mit der Pflegeeltern einen wichtigen Beitrag zur Prävention und zum Wohl des Kindes leisten.

5. Welche Formen von Pflegeverhältnissen gibt es?

«Gewachsene», «klassische» und «vernetzte» Pflegeverhältnisse

Pflegeverhältnisse können in «gewachsene», «klassische» und «vernetzte» eingeteilt werden. Gewachsene Pflegeverhältnisse entstehen in der Verwandtschaft, aus freundschaftlicher oder nachbarschaftlicher Hilfe und gründen auf einer Beziehung. Zum Beispiel hatte Mirjam ihre Kinder Sven und David selbst bei ihrer Mutter untergebracht, oder Lara hatte selbst entschieden, dass sie bei Renate wohnen möchte, wenn sie nicht bei Mami bleiben könne. Die Pflegekinder-Aktion Schweiz rechnet anhand der Volkszählung und regionaler Zahlen hoch, dass rund 70 Prozent aller Pflegebeziehungen im sozialen Umfeld der Kinder gewachsen sind. Allerdings sind nicht alle diese Pflegeverhältnisse den Behörden bekannt. Zu klassischen Pflegeeltern können jene gezählt werden, die sich bei einem sozialen Dienst als mögliche Pflegeeltern zur Verfügung stellen. Daneben gibt es vernetzte Pflegeeltern, die bei Familienplatzierungsorganisationen angestellt sind.

Dauer- und Wochenpflege

Diese Kinder haben ihren Lebensmittelpunkt – eventuell zeitlich befristet – in einer Pflegefamilie. Da die Kinder von ihrer Herkunftsfamilie getrennt leben, handelt es sich immer um Kindesschutz. Das ist unabhängig davon, ob die Eltern ihre Kinder freiwillig in eine Pflegefamilie geben oder ob dies behördlich angeordnet wurde. Pflegeverhältnisse sind daher bewilligungspflichtig. In Dauerpflegeverhältnissen können die Kontakte zu den Herkunftseltern und Besuche unterschiedlich geregelt sein. Wochenpflegekinder verbringen regelmässig alle Wochenenden in der Herkunftsfamilie.

Ob ein Dauerpflegeverhältnis oder ein Wochenpflegeverhältnis eingerichtet wird, bestimmt die Wahrscheinlichkeit, ob das Pflegekind wieder zu seinen Herkunftseltern zurückkehren wird. Aus Dauerpflegeverhältnissen wird nur gut jedes zehnte Pflegekind in seine Herkunftsafmilie integriert. Bei Wochenpflegeverhältnissen ist dies bei mehr als der Häfte aller Platzierungen der Fall.

Kinder sollen nur mit einer langfristigen Perspektive in einer Pflegefamilie untergebracht werden, wenn innerhalb eines vertretbaren Zeitraumes die Lebensbedingungen in der Herkunftsfamilie durch Beratung, sozialpädagogische Begleitung und Unterstützung nicht verbessert werden können. Wichtig ist, dass bei der die Platzierung das Alter und der Entwicklungsstand eines Kindes oder Jugendlichen berücksichtigt werden, ebenso seine Bindungen und die Möglichkeiten, die Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie zu verbessern. Mit den Herkunftseltern, Pflegeeltern, dem Kind oder Jugendlichen, mit Fachpersonen und Behörden soll eine förderliche und kontinuitätsorienterte Lebensperspektive erarbeitet werden .

In Kurzzeit- oder Übergangspflegeverhältnissen werden Kinder für eine befristete Zeit platziert, weil in ihrer Herkunftsfamilie unvorhergesehene Situationen aufgetreten sind wie der plötzlicher Ausfall der Eltern durch Krankheit, die Teilnahme an Therapien, innerfamiliäre Krisen. Vor allem bei Kurzzeitplatzierungen soll eine Pflegefamilie in der Nähe der Familie des Kindes gefunden werden, um den Kontakt zu seinen Eltern, seinen Bezugspersonen und zum vertrauten Lebensumfeld zu erhalten.

SOS- und Bereitschaftspflegeverhältnisse (Krisenintervention)

SOS- Familienplätze oder Bereitschaftspflegeverhältnisse  bieten die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche kurzfristig in einer Pflegefamilie unterzubringen, um für sie eine geeignete Perspektive zu entwickeln. Bereitschaftspflegeverhältnisse sind eine Form der Krisenintervention und dauern normalerweise nicht länger als drei Monate. Während des Aufenthaltes in der Pflegefamilie wird die Situation des Kindes geklärt. Notwendige Hilfestellungen für die Zukunft werden in die Wege geleitet. Der Aufenthalt sollte so kurz wie möglich sein. Dieser Zeitraum dient auch dazu, eine Abklärung über die Situation des Kindes – seinen Entwicklungsstand, Störungen, erforderliche Hilfen – zu ermöglichen. Die Pflegeeltern sollen auf diese Aufgabe besonders vorbereitet werden.

Ziele der Unterbringung in einer SOS- oder Bereitschaftspflegefamilie sind:

  • Das Kind aus gefährlichen, gewalttätigen oder verwahrlosten Situationen herauszunehmen, um Ruhe und Sicherheit zu finden.
  • Zeit zu haben, um den optimalen Pflege- oder Heimplatz zu suchen und zu finden.
  • Die angespannte Situation in der Herkunftsfamilie kurzfristig zu entlasten.

6. Welche Kinder brauchen eine Pflegefamilie?

In der Schweiz leben etwa 14‘500 Pflegekinder. Die meisten kommen aus mehrfach belasteten Familienverhältnissen. Ihre Eltern können nicht mehr oder nur noch eingeschränkt für sie sorgen. Oft führt ein längerer Prozess, in dem viele Fachleute einbezogen sind, zur Entscheidung, ein Kind aus seiner Herkunftsfamilien herauszunehmen. Gründe für eine Platzierung in einer Pflegefamilie sind :

  • Die Kinder sind vernachlässigt worden.
  • Sie können nicht mehr bei ihren Eltern leben.
  • Sie haben seelische und/oder körperliche Gewalt erfahren.
  • Ihre Eltern sind psychisch krank oder haben Suchtprobleme.
PACH Pflege- und Adoptivkinder Schweiz
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