Abgeschlossene Projekte

Eigene Forschung betreiben oder sich in andern Projekten beteiligen ist eine unserer Aufgaben.

Unsere Fachmitarbeiterinnen haben sich in den letzten Jahren in der Pflegekinderforschung engagiert und sich an diesen Forschungsprojekten beteiligt:

  • Quality4Children: Quality in the Best Interests of the Child! – Quality Standards in Out-Of-Home Child Care in Europe
  • Kinder wirken mit: ein Projekt zur Umsetzung der Qualtity4Children Standards unter der Letiung der FHS St. Gallen
  • Pflegeeltern und ihre Pflegekinder: Empirische Analysen von Entwicklungsverläufen und Ressourcen im Beziehungsgeflecht (Follow-up-Untersuchung von Yvonne Gassmann)
  • Pflegefamilien und Heimplatzierungen: Der Prozess der Hilfeplanung und seine Auswirkungen auf die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien im Rahmen des NFP 52

Diese Arbeiten haben wichtige Erkenntnisse zu Kontinuität und zu Partizipation im Pflegekinderbereich gebracht.

Quality4Children

Quality in the Best Interests of the Child! – Quality Standards in Out-Of-Home Child Care in Europe

Die drei internationalen Organisationen für Kinderbetreuung – FICE, IFCO und SOS-Kinderdörfer – haben sich im Frühling 2004 entschlossen, ein europäisches Projekt zu lancieren, um basierend auf der Kinderrechtskonvention qualitative Standards für die Fremdunterbringung von Kindern zu erarbeiten. Sie riefen das Projekt Quality4Children ins Leben, das in 32 europäischen Ländern durchgeführt wurde mit dem Ziel, Qualitätsstandards für die ausserfamiliäre Unterbringung von Kindern zu entwickeln. Erstmals ging es bei der Entwicklung von Qualitätsstandards darum, von Direktbetroffenen zu lernen, zu hören, wie es ihnen ergangen ist: Kinder und Jugendliche, Ursprungsfamilien, Pflegeeltern, Haupterziehungsverantwortliche.
Um das Projekt in der Schweiz durchzuführen, haben drei Organisationen, INTEGRAS Fachverband Sozial- und Heilpädagogik, die Pflegekinder-Aktion Schweiz und die FICE Schweiz, eine nationale Koordinationsgruppe gebildet, die die verschiedenen Projektphasen und die damit verbundenen Ziele in der Schweiz umsetzt. Mehr unter www.quality4children.ch

Die IG quality4children Schweiz hat die europäischen Qualitätsstandards auf die schweizerischen Verhältnisse übertragen und neben der Ausgabe für Erwachsene auch eine kinder- und jugendgerechte Form geschaffen. Beide Formen können als PDF-Dokumente heruntergeladen oder als Broschüren bestellt werden.
Quality4Children Standards für Erwachsene. PDF-Dokument herunterladen oder Borschüre bestellen
Die Broschüre «Deine Rechte, wenn du nicht in deiner Familie leben kannst» stellt ein wichtiges Instrument dar, Kinder, die in Pflegefamilien oder Heimen betreut werden, über ihre Rechte zu informieren und sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu stärken. PDF-Dokument herunterladen oder Broschüre bestellen

Kinder wirken mit

Projekt im Kanton St. Gallen zur Umsetzung der Quality4Children-Standards unter der Leitung der FHS St. Gallen

Auf Initiative der IG Quality4Children haben Kinder, Jugendliche und Fachkräfte nach Wegen gesucht, wie sich Mitwirkung in der ausserfamiliären Betreuung umsetzen lässt. Aus dem vom Kanton St. Gallen finanzierten Pilotprojekt ist ein Handbuch entstanden. Es enthält vielfältige Anregungen, wie das Recht auf Mitwirkung konkret umgesetzt werden kann.

Annegret Wigger, Nikolina Stanic: Kinder wirken mit. Ein Handbuch zur Unterstützung der Mitwirkungspraxis in der ausserfamiliären Betreeung, Stämpfli Verlag 2012. Buch bestellen

 

Das Institut für Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Gallen hat einen Projektbericht vorgelegt und Empfehlungen zur Förderung der Mitwirkung in der ausserfamiliären Betreuung vorgestellt.

Den Projektbericht als PDF herunterladen

Pflegeeltern und ihre Pflegekinder

Empirische Analysen von Entwicklungsverläufen und Ressourcen im Beziehungsgeflecht (Follow-up-Untersuchung von Yvonne Gassmann)

Das Aufwachsen in einer Pflegefamilie kann mit Risiken im Jugend- und jungen Erwachsenenalter einhergehen und stellt vor allem Pflegefamilien, aber auch begleitende Fachpersonen vor grosse Herausforderungen. Diese als Follow-up-Studie angelegte Untersuchung von 101 Pflegekindern und Pflegefamilien im Kanton Zürich zeichnet eine lange Entwicklungslinie nach. Mittels Verschränkung von quantitativen und qualitativen Analyseverfahren und unter Einbeziehung der Kinderperspektive kann ein für die Theoriebildung bedeutsamer Ertrag auf Basis des empirischen Materials vorgelegt werden – distanziert von ideologisch geführten jugend- und fachpolitischen Diskussionen.

Fragestellung

Die Fragestellungen der Forschungsarbeit zu Pflegebeziehungen sind in thematisch gegliedert: 1. Verbleib der Pflegekinder, 2. förderliche Bedingungen für die Entwicklung der Pflegekinder, 3. förderliche Bedingungen für das Gelingen der Pflegebeziehungen und die Entwicklung der Pflegefamilien, 4. «typische» und «geeignete» Pflegefamilien. Zudem sollte 5. der Ausgang (Outcome) der Massnahme Familienpflege länger- respektive mittelfristig bewertet werden, wenn die Pflegekinder zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen geworden sind.

Methode und Stichprobe

Bei der Ersterhebung 1998 gaben Pflegeeltern (Pflegemütter, -väter und -elternpaare) Auskunft zum Gelingen ihrer Pflegebeziehungen sowie zu strukturellen (Ausgangs-)Bedingungen, Belastungen und Ressourcen. Bei der vorliegenden Follow-up-Studie 2007 berichteten Pflegeeltern und -kinder zum Gelingen der Pflegebeziehungen und zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben. Die Pflegeeltern schilderten zusätzlich Belastungen und Ressourcen. Zudem machten die Fachpersonen (Behörden) Angaben zum Verbleib von Pflegekindern. Alle drei Personengruppen gaben Auskunft zu strukturellen (Kontext-)Bedingungen.
Die Erhebungen erfolgten mit unterschiedlichen Fragebogen. Die Fragebogen für Pflegeeltern und -kinder ermöglichen mit Ratingskalenantworten und Freitextantworten einen quantitativen und qualitativen Zugang zum Gegenstand. Die Follow-up-Erhebung konnte mit Einschätzungen zu 101 Zürcher Pflegekindern zu zwei Messzeitpunkten umgesetzt werden. Die Rücklaufquoten liegen bei 80% (Pflegeeltern), 55% (Pflegekinder) und 91% (Fachpersonen). Die Pflegekinder waren 1998 durchschnittlich 9.7 Jahre und 2007 18.4 Jahre alt. Die Pflegekinder, die nicht mehr in der Pflegefamilie lebten, waren durchschnittlich 9.0 Jahre in Pflege; die Pflegekinder in laufenden Pflegeverhältnissen waren 2007 durchschnittlich 13.7 Jahre in den Pflegefamilien.

Ergebnisse zum Verbleib der Pflegekinder

Zum Verbleib der Pflegekinder fand sich die folgende Verteilung (N = 101):

  • 35% der Pflegekinder sind in der Pflegefamilie verblieben,
  • 24% Pflegekinder sind in ihre Herkunftsfamilie zurückgekehrt,
  • 18% der Pflegekinder wurden in ein Heim platziert,
  • 10% sind in der Pflegefamilie verblieben, bis sie selbständig leben konnten und wollten,
  • bei 6% der Pflegekinder ist nicht bekannt, ob sie noch in der Pflegefamilie leben,
  • 4% der Pflegekinder sind in eine weitere Pflegefamilie gekommen,
  • bei 3% der Pflegekinder ist der auf die Pflegefamilie folgende Aufenthaltsort nicht bekannt
  • ein Pflegekind ist verstorben.

Ergebnisse zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben

Das Gelingen der Pflegebeziehung stellt eine Voraussetzung dar, damit Pflegekinder allgemeine Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz bewältigen können, und die Bewältigung von pflegekindspezifischen Entwicklungsaufgaben ist eine Voraussetzung, um allgemeine Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Diese beiden Haupthypothesen konnten bestätigt werden.

Ergebnisse zu typisierten Pflegebeziehungen

Aufgrund der Fallzusammenstellungen konnten sieben «typische» Pflegebeziehungen bestimmt werden, die ein Kontinuum von möglicher Distanz bis möglicher Nähe im Miteinander von Pflege- und Herkunftsfamilie widerspiegeln. Statt der polarisierenden Darstellung von Ersatz- und Ergänzungsfamilie kann ein ganzes Spektrum unterschiedlicher Gewichtungen von Pflegefamilienbindung und Herkunftsfamilienbezug ausgemacht werden. Es zeichnet sich somit eine Vielfalt pflegefamilialer Formen ab, die sich zwischen den Polen von Ersatz- und Ergänzungsfamilie anordnen lassen:

  • Erfolgte Adoptionen erweisen sich als besonders einfache und gelingende (Pflege-)Beziehungen, sie sind jedoch eher selten.
  • Adoptionsähnliche Pflegebeziehungen kennzeichnen sich durch lang dauernde Pflegebeziehungen in den die Herkunftsfamilien «ersetzenden» (authentischen) Pflegefamilien. Oft sind es Pflegebeziehungen mit handicapierten Pflegekindern.
  • Eine bedeutsam grosse, jedoch bezüglich struktureller Kriterien heterogene Gruppe bilden kontinuitätsorientierte Pflegebeziehungen. Sie finden häufig im Rahmen von Verwandtenpflege statt.
  • Pflegebeziehungen mit (biopsychosozial bedingt) «schwierigen» Pflegekindern führen zu einer Umplatzierung, zu Belastungen und Unzufriedenheit mit der Entwicklung.
  • Die sozialpädagogischen Grossfamilien kennzeichnen sich durch mehrere Pflegekinder in der Pflegefamilie sowie durch Professionalität, das heisst Ausbildung, Selbstreflexionsfähigkeit und professionelles Selbstverständnis sowie Erfahrung.
  • Pflegebeziehungen mit umfassenden Herkunftsfamilienkontakten kennzeichnen sich durch die ausgeprägte Bedeutung von Besuchskontakten und das grosse Engagement der Pflegefamilien, diesen Kontakt zu fördern.
  • Pflegebeziehungen auf Zeit weisen auf beendete Pflegeverhältnisse mit fast ausschliesslich rückgeführten Pflegekindern, auf der Basis eines Wochenpflegearrangements, hin.

Ergebnisse zur Wochen- und Dauerpflege

Es erweist sich als besonders günstig, wenn sich Pflegekinder in einem Arrangement befinden, welches wahrscheinlich das entwicklungsförderliche Ziel (Rückkehr oder Verbleib) ermöglicht. Die Definition der Art des Pflegeverhältnisses, die kaum variiert wird, ist eine Vorentscheidung bezüglich des Ausgangs der Pflegebeziehung: Wochenpflege (mit definierten Kontakten), die mit einer kürzeren Pflegeverhältnisdauer einhergeht, begünstigt eine Reintegration, während die Platzierungsform Dauerpflege eine langfristige Platzierung bis hin zum Erlangen der Selbständigkeit des Pflegekindes erlaubt. Zielkonforme Dauer- und Wochenpflegeverhältnisse stellen daher entwicklungsförderliche Ressourcen dar. Die vorliegenden Erkenntnisse sprechen für eine konzeptionelle Entwicklung von Wochenpflege. In der vorliegenden Stichprobe ist/war jedes fünfte Pflegekind in Wochenpflege. In Zukunft sollte auf Basis der Ergebnisse vermehrt geprüft werden, ob sich eine geeignete Form eines Wochenpflegearrangements realisieren lässt, denn dieses ermöglicht eine Rückkehr der Pflegekinder zu ihren leiblichen Eltern. Lässt sich dieses gar nicht umsetzen, gehören Pflegekinder sehr wahrscheinlich in Dauerpflege und in «Ersatzfamilien».

Ergebnisse zu Umplazierungen und Abbrüchen

Dem Ziel kontinuitätsorientiertem Aufwachsen entgegengesetzt sind Umplatzierungen von Pflegekindern. Diese erfolgten «spät», das heisst hoch signifikant später als Reintegrationen. Vor allem ungeplante und plötzliche Umplatzierungen sind als ungünstig zu beurteilen und gefährden die Entwicklung der Pflegekinder. Wie verschiedene Beispiele verdeutlichen, konnten chronifizierte Schwierigkeiten durch eine Umplatzierung längerfristig nur unzureichend oder gar nicht gemildert werden. Die Umplatzierungen erfolgten in drei Vierteln der diesbezüglich betrachteten Fälle unerwartet plötzlich, und die weiteren Risiken wurden nicht genügend kalkuliert. Die Belastung der Pflegeeltern von Pflegekindern, die umplatziert wurden, erwies sich ebenfalls als hoch. Fachliche Unterstützung kam zu spät und/oder diente der Beendigung der Pflegebeziehung.

Empfehlungen

Aus der Vielfalt der Ergebnisse lassen sich Folgen für die Praxis ableiten. Im Zentrum steht eine weitere Professionalisierung der Fachpersonen im Pflegekinderbereich mittels situationsangepasster und ressourcenorientierter, reflexiver und selbstreflexiver Strategien.

Publikation

Yvonne Gassmann:
Pflegeeltern und ihre Pflegekinder. Empirische Analysen von Entwicklungsverläufen und Ressourcen im Beziehungsgeflecht.
350 Seiten/brosch., 25,50 €
ISBN 978-3-8309-2246-9
Erschienen: November 2009

Das Buch kann direkt bei Waxmann bestellt werden. Buch bestellen

Pflegefamilien und Heimplatzierungen

«Der Prozess der Hilfeplanung und seine Auswirkungen auf die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien» im Rahmen des NFP 52

Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel» (NFP 52) des Schweizerischen Nationalfonds durchgeführt. Die Studie dauerte von Mai 2003 bis Ende Juni 2006 und wurde durch den Schweizerischen Nationalfonds und die Jugendstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich finanziert. An der Studie beteiligt waren die Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Gallen, Studienbereich soziale Arbeit, die Pflegekinder-Aktion Schweiz und die Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime. Geleitet wurde sie von Kurt Huwiler, verantwortlich für den Bereich «Produkte und Angebotsentwicklung» der Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime.

Das Projekt untersuchte die Platzierung von 43 Kindern und Jugendlichen, 14 Mädchen und 29 Knaben. 9 Kinder wurden in Pflegefamilien, 34 in Heimen untergebracht. Unberücksichtigt blieben geistig oder körperlich behinderte Kinder, da eine medizinisch geprägte Massnahmenplanung nach anderen Regeln abläuft.
Die Untersuchung wurde als Längsschnittstudie angelegt, um den Prozess der Hilfeplanung und die Auswirkungen der Platzierung nach einem Jahr erfassen zu können. Gesamthaft erfolgten 337 Gespräche mit Eltern, Kindern bzw. Jugendlichen, Sozialarbeitenden sowie Mitarbeitenden von Heimen und Pflegeeltern.

Fragestellung

Die Platzierung eines Kindes oder Jugendlichen in einem Heim oder einer Pflegefamilie stellt für die betroffene Familie eine einschneidende Massnahme dar. Fachleute, die Fremdplatzierungen planen und durchführen müssen, tragen eine grosse Verantwortung, was immer die Gründe für eine solche Massnahme sind. Manche Kinder brauchen eine spezielle schulische Förderung, andere müssen vor Vernachlässigung oder Missbrauch in der Familie geschützt werden. Die Platzierung kann auch Folge eines Gesetzesverstosses sein.
In der Schweiz gibt es keine Vorschriften, wie eine Fremdplatzierung einzuleiten ist, welche fachlichen Qualifikationen die platzierenden Personen mitbringen oder welche Hilfsmittel sie zur Hilfeplanung einsetzen müssen. Gemäss UN-Kinderrechtskonvention muss die Meinung von Kindern in wichtigen Angelegenheiten angemessen berücksichtigt werden. Unklar ist, was das im Falle einer Pflegefamilien- oder Heimplatzierung konkret bedeutet. Forschungsresultate belegen, dass der Einbezug von Eltern und Kindern in den Entscheid und die Durchführung von Fremdplatzierungen die Chancen erhöht, tragfähige und entwicklungsfördernde Lösungen zu finden.
Da bisher kaum Kenntnisse über das Zusammenwirken von Familien und Fachleuten bei Fremdplatzierungen vorliegen, versuchte diese Studie die Denk- und Handlungsmuster der beteiligten Personen zu klären. Sie wollte transparent machen, wie die Wahl zwischen Pflegefamilien und Heimen zustande kam, wie zufrieden die Eltern und Kinder mit ihren Partizipationsmöglichkeiten waren und welche Auswirkungen diese Massnahme auf die Familienmitglieder hatte.

Methode

Im Rahmen dieser Längsschnittstudie wurde die Platzierung von 43 Kindern und Jugendlichen mit Wohnsitz hauptsächlich in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Thurgau untersucht. Es handelte sich um 14 Mädchen und 29 Knaben, 9 von ihnen wurden in Pflegefamilien, 34 in Heimen untergebracht. Soweit möglich wurden die direkt betroffenen Personen dreimal befragt: einmal knapp vor der Platzierung, je einmal 6 und 13 Monate danach. Gesamthaft erfolgten 83 Gespräche mit Eltern, 91 mit Kindern bzw. Jugendlichen, 87 mit den Sozialarbeitenden (oder Personen mit vergleichbaren Aufgaben), 60 mit Mitarbeitenden von Heimen und 16 mit Pflegeeltern. Alle 337 Interviews wurden vom Tonband abgeschrieben und zusammen mit Informationen aus Fragebogen und Tests ausgewertet.

Wichtigste Resultate

Obwohl die Sozialarbeitenden, die Eltern, teilweise auch die Kinder und weitere Fachleute im Vorfeld der Platzierungen intensive Gespräche führten, waren sie sich in vielen wichtigen Punkten nicht einig. Zwei Drittel der Eltern nannten die Probleme der Kinder als hauptsächliche Gründe für die Platzierung. Bei den Fachleuten war es nur rund die Hälfte. Auch die Belastungen, denen die Kinder und Jugendlichen vor der Platzierung ausgesetzt waren, stuften die Eltern deutlich geringer ein als die Sozialarbeitenden. Daraus lässt sich ein gewisses Konfliktpotential ablesen, das jedoch nur selten zu einer Unzufriedenheit der Eltern gegenüber den Fachleuten führte.
Es war den meisten Sozialarbeitenden ein wichtiges Anliegen, die Eltern in die Überlegungen zur Bedeutung einer Platzierung einzubeziehen und ihre Zustimmung für ein Heim oder eine Pflegefamilie zu gewinnen. Die Partizipation der Kinder dagegen fanden die Sozialarbeitenden deutlich weniger wichtig. Die weitgehend positiven Erfahrungen der Eltern mit den Sozialarbeitenden darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Platzierungen gegen den erbitterten Widerstand der Eltern und der Kinder erfolgten, Ärger und grosses Leid auslösten. Als gravierendste Probleme in ihrer Arbeit bezeichneten die Sozialarbeitenden die komplexen amiliären Probleme, die beschränkte Zahl an verfügbare Plätze in Pflegefamilien und Heimen, Zeitdruck und Probleme in der Zusammenarbeit mit den Familienmitgliedern. Sie erlebten es als äusserst anspruchsvoll, die Verantwortung für das Kindeswohl zu tragen und zwischen den manchmal unvereinbaren Interessen der Beteiligten entscheiden zu müssen.
Nach einem Jahr beurteilten die Kinder und Jugendlichen ihre Platzierung deutlich weniger erfolgreich als die Eltern, die Sozialarbeitenden und die Pflegeeltern bzw. die Mitarbeitenden in Heimen. Dagegen zeigten sich bei den Befragten keine Unterschiede in der Beurteilung des Platzierungserfolgs, ob die Platzierung nun in einem Heim oder einer Pflegefamilie erfolgt war oder ob es sich um eine jugendstrafrechtliche Massnahme oder eine Platzierung aus anderen Gründen handelte. Entgegen früheren Forschungsbefunden waren die Platzierungen in dieser Studie nicht erfolgreicher, wenn die Eltern und Kinder stärker in den Platzierungsprozess einbezogen wurden oder wenn sie mit ihren Mitwirkungsmöglichkeiten zufriedener waren.

Empfehlungen

  • Staatliche Organe sollten verbindliche Standards der Massnahmenplanung und der Qualitätssicherung bei Fremdplatzierungen vorgeben. Bei jeder Platzierung müssen (mindestens) zwei Fachleute beteiligt sein.
  • Die Verantwortung für Heim- und Pflegefamilienplatzierungen ist ausgebildeten Fachkräften zu übertragen. Deren Weiterbildung und fachliche Unterstützung durch Kompetenzzentren, Übersetzungsdienste und erprobte Hilfsmittel u.a. sollte verbessert werden.
  • Es braucht eine ausreichende Zahl teil- und vollstationärer Heim- und Pflegefamilienplätze, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden.
  • In der Öffentlichkeit und bei Fachleuten ist das Bewusstsein für die partizipativen Rechte von Kindern und Jugendlichen zu fördern.
  • Für die Planung und Steuerung der stationären Jugendhilfemassnahmen braucht es eine gesamtschweizerische Statistik der Heim- und Pflegefamilienplatzierungen.

NFP 52

Das NFP 52 untersucht Fragestellungen im Bereich der gesellschaftlichen und familialen Lebensbedingungen und hat zum Ziel, differenzierte Antworten zu liefern, die als Erkenntnisse in den politischen Prozess eingebracht werden können. Mehr dazu unter www.nfp52.ch.

Publikation

Claudia Arnold, Kurt Huwiler, Barbara Raulf, Hannes Tanner, Tanja Wicki:
Pflegefamilien- und Heimplatzierungen
320 Seiten/brosch., Fr. 48.00 / € 30.70 (D)
ISBN: 978-3-7253-0890-3
Erschienen: Januar 2008

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Dokumente

  • Referat im Rahmen der Fortbildungstagung «Soziale Integration» 14. bis 16. November in Brunnen (Barbara Raulf). PDF-Dokument herunterladen
  • Artikel zum Projekt, in: Soziale Sicherheit 5/2006, «Pflegefamilien- und Heimaufenthalte stellen hohe Ansprüche an die platzierenden Fachleute» (Kurt Huwiler). PDF-Dokument herunterladen
  • Artikel zum Projekt, in: Curaviva Nov. 2006, «Verbindliche Standards und eine Qualitätssicherung fehlen» (Kurt Huwiler). PDF-Dokument herunterladen
  • Interview mit Projektleiter Kurt Huwiler (Curaviva Nov. 2006). PDF-Dokument herunterladen
  • Zusammenfassung der Forschungsergebnisse (NFP 52). PDF-Dokument herunterladen

Der Prozess der Hilfeplanung und seine Auswirkungen auf die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien.

Claudia Arnold, Kurt Huwiler, Barbara Raulf, Hannes Tanner, Tanja Wicki:
Pflegefamilien- und Heimplatzierungen
320 Seiten/brosch., Fr. 48.00 / € 30.70 (D)
ISBN-Nr.: 978-3-7253-0890-3
Erschienen: Januar 2008

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